Für alle

Diese Performance will glücklich machen. Auf der Bühne entsteht dafür ein Spiel-Casino mit eigenen Regeln. Darin begibt sich das Kollektiv She She Pop auf eine Glücksuche. Vier Kandidatinnen losen an Gottes großer Tombola ihr Schicksal, bestehend aus verschiedenen, mehr oder weniger zusammenpassenden Einzelbestandteilen. Dann gilt es zu leben: Sich als funktionierendes Individuum beschreiben, leiden, mit dem Schicksal hadern, sich nach einem anderen Schicksal sehnen, gegen die anderen Kandidatinnen spielen, Gott herausfordern. Und dabei den Ausgleich herstellen, die Situation verbessern, glücklicher werden.

Die Spielerinnen würfeln, setzen, dealen und tanzen um ihr Glück - solange, bis Gottes Weisheit sich erschöpft und die ZuschauerInnen als Gerechte angerufen werden, das Glück umzuverteilen und endlich Gerechtigkeit walten zu lassen.

Termine

März 2006, Hebbel am Ufer, Berlin
April 2006, Kampnagel, Hamburg
September 2006, zeitraum Exit, Mannheim
September 2006, Tanzquartier, Wien
November 2006, Theaterhaus Jena
November 2007, Tafelhalle Nürnberg
Januar 2008, Malersaal, Deutsches Schauspielhaus Hamburg

Credits

Konzept: She She Pop.
Von und mit Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Katharina Oberlik, Ilia Papatheodorou und Berit Stumpf.
Sounddesign: Jeff McGrory und Max Knoth. Lichtdesign: Micha Lentner-Niyorugira. Kostüm: Ulrike Willberg. Choreographische Beratung: Kerlin Leao Da Silva. Bühne: She She Pop und Holger Duwe. Produktionsleitung: Kaja Jakstat.

FÜR ALLE ist eine Koproduktion von She She Pop mit dem Hebbel am Ufer Berlin und Kampnagel Hamburg. Gefördert von der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur Berlin und der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg.

Pressestimmen

Eine verrückte Show, die über 90 Minuten ständig witziger wird.
Dagmar Fischer, Hamburger Morgenpost, 15. April 2006

Das ironische Unterhaltungstheater von She She Pop duldet keine Flucht in Illusionen. Vielmehr lassen die gewieften Performerinnen, mehr oder weniger immer sie selber, die Glücksklischees und Wunschwelten mit den Widerständen in der Wirklichkeit kollidieren und im mehr oder weniger pointierten Improvisations-Feuerwerk genüsslich zerplatzen.
Klaus Witzeling, Hamburger Abendblatt, 15. April 2006

Zufall oder Leben

She She Pop spielten in der Kampnagel-Fabrik mit dem Glück
Haben sie nicht recht, die Damen vom Performance-Kollektiv She She Pop? Das Leben ist ungerecht und Gott macht es sich wahrlich leicht auf Erden. Spielt ein bisschen Losbude, an der sich vier Frauen - allesamt in die gleiche triste Miederwaren-Grundausstattung gepresst - für ein farbenfrohes Leben präparieren lassen. Je nach Losglück mehr oder minder behangen und beschnallt mit allerlei Utensilien, die für die ergatterten Talente, Besitztümer und Berufsstände, privates Glück oder Belastung stehen, machen sie sich auf. (...)
So einfach beginnt in der Hamburger Kampnagel-Fabrik ein heiter-bissiger Diskurs über die gar nicht einfachen Ungerechtigkeiten und Ungereimtheiten des Lebens, das Glück, das manche haben und andere nicht, und ob sich der Zufall nicht besser verteilen ließe. Das Leben ein Game-Show, in der Gott den Spielmacher gibt und die Probanden mit mitleidlos sezierendem Forscherblick begutachtet. Ganz schön zynisch, und damit vielleicht geradeso, wie das Leben eben spielt. She She Pop richten dem Zufall in der Kampnagel-Fabrik nur seine Form ein. (...)
Das ist erschreckend, vergnüglich und ungemein spannend. Weil She She Pop ihr Spiel gnadenlos spielen, nicht alle guten Gaben jeder gleich gut tun uns so auch der Identifikationsfaktor fortwährend schwankt. Fernsehleicht befeuert wird das Ganze von groovigem Funk, gebrochen von mattleuchtender Post-NDW-Melancholie und trashig-sinnigem Kasperletheater-Zubehör aus der Bastelstunde von She She Pop. Das Publikum, locker um den Laufsteg verteilt, spielt dazu die entscheidende Nebenrolle: Zunächst beim Auslosen, später als Gott ihm hemmungslos die Rolle des Verteilers zuschiebt ("Na los: Wem könnte dieses Suchtproblem wohl gefallen...") - und weil es mit voyeuristischer Neugier verfolgt, wie sich die Vier mit ihrer jeweiligen Ausstattung schlagen. Und jeden Abend wird neu gemischt...
Ruth Bender, Kieler Nachrichten, 18. April 2006

Das Leben ist ein Roulette-Spiel

WUNDER DER PRÄRIE: She She Pop spielen in der alten Feuerwache ein Stück "Für alle"
Schon Aristoteles wusste, alle Menschen wollen glücklich sein. Die Giessener Performance-Gruppe She She Pop beweist mit ihrer lustig-schrägen Theater-Show "Für alle", was viele schon lange vermuten: Das ganze Leben ist ein Spiel, und wir sind nur die Kandidaten.
Showmaster dieses Glücksspiels ist der charmante liebe Gott in weißem Tutu, gespielt von der erfrischend spontanen Ilia Papatheodorou, der zwar das ganze Glück in Händen hält, aber wie der Croupier im Casino keinerlei Einfluss auf die gerechte Verteilung hat. Und so müssen die vier hoffnungsvollen Kandidatinnen um ein glückerfülltes Leben buhlen, kämpfen und zocken, damit sie bei der Verteilung von Besitz, beruf/Berufung und Talent keine Niete ziehen. Noch ganz unbeschrieben und erlebnishungrig stehen sie zu Beginn des Stücks auf der Bühne und wispern fast schüchtern ihre großen Pläne und Träume vor sich hin. Da ist nichts Prätentiöses dabei, sie wünschen sich schlicht das, was jeder gerne hätte. Doch schnell stellt sich heraus, des einen Freud ist des anderen Leid. Die schöne Gabe der Nonchalance hilft im Leben wenig, wenn man arbeitslos und einsam ist, und nicht jeder hegt den Wunsch, ein Buch zu schreiben. Aber zum Glück bleibt im Leben nichts, wie es mal war, denn Ziel des poppig-bunten Treibens auf der Showbühne ist, dass am Ende wirklich jeder glücklich wird.
Der soziale Ansatz beschert damit auch dem Publikum einen facettenreichen Abend, da inmitten der ironischen Performance noch Raum bleibt für die leisen Töne. Wenn die Kandidatinnen allesamt über die Fallstricke des Lebens stolpern und dabei trotzdem tapfer auf die Frage nach ihrem momentanen Glücksbefinden mit "ganz gut" antworten, umspielt die Gesichter der Zuschauer nur mehr ein bittersüßes Lächeln. Und just in dem Moment, in dem man gerne selbst eingreifen würde, erhält man die Chance, einer er "Gerechten" zu werden.
Die fünf der eigentlich sieben She Shes beweisen mit diesem Stück ein komisches Fingerspitzengefühl für die Grauabstufungen des Lebens, denn zwischen Glück und Unglück liegt oft nur ein schmaler Grat. Faites vos jeux - nichts geht mehr!
Nora Binder, Mannheimer Morgen 9. Sept. 2006

Bilder