Verspätete Vorbereitungen zum Generationswechsel nach Lear

"Besser wär’s, du lebtest nicht, als mir zur Kränkung zu leben!" (König Lear zu seiner Tochter)

"Daddy's working boots have filled their obligation." (Dolly Parton über die Schuhe ihres Vaters)

She She Pop nimmt sich den Kanon vor: In der ersten Szene von Shakespeares “König Lear” versucht der alte Mann mit großer Geste, sein Reich an seine drei Töchter zu vermachen und damit eine Absprache für seine Altersvorsorge zu treffen – ein Plan, der auf gewaltsame Weise scheitert.
Das verwundert nicht. Denn von allen Tauschgeschäften, in die wir jemals verwickelt werden, ist dasjenige zwischen den Generationen das komplizierteste und undurchsichtigste. Wert und Gegenwert (also Geld und Liebe) sind prinzipiell verschleiert, und niemand hat den Tauschbedingungen je offiziell zugestimmt. Das gilt für fast alle Verabredungen zwischen den Generationen: Sie sind faul. Sie haben nie stattgefunden. Es gibt sie nicht. Der Stall, den es hier auszumisten gilt, ist randvoll mit Daten und Details, Schmuckstücken, Stammbäumen, Erbfolgen, Erbkrankheiten, Liebesschwüren, Pflegeplänen, Benzinquittungen und Schuldgefühlen – sämtlich Teile der Verhandlungsmasse in dieser öffentlichen Gegenüberstellung von Töchtern und ihren Vätern.
Für TESTAMENT bitten She She Pop ihre eigenen Väter mit auf die Bühne. Das Theater wird zum Verhandlungsraum für einen utopischen Prozess: den Ausgleich zwischen den Generationen.

Termine

15. - 18. März 2012
»Hebbel am Ufer Berlin

13. - 14. April 2012
mit engl. & koreanischen Übertiteln
»Festival Bo:m Seoul

9. - 11. Mai 2012
mit engl. & französischen Übertiteln
»Le Grand T Nantes
»TU Nantes

Archiv

Uraufführung: 25. Februar 2010, »Hebbel am Ufer / HAU 2 Berlin
Februar 2010, »Hebbel am Ufer / HAU 2 Berlin
März 2010, »Kampnagel Hamburg
Mai 2010, »Theaterhaus Stuttgart
Mai 2010, »Hebbel am Ufer / HAU 2 Berlin
Juni 2010, »FFT Düsseldorf
Oktober 2010, »INKONST Malmö
Oktober 2010, »Pustervik Göteborg
Oktober 2010, »Festival FAVORITEN Dortmund
November 2010, »brut Wien
Dezember 2010, »Hebbel am Ufer / HAU 2 Berlin
Januar 2011, »Mousonturm Frankfurt/M.
Februar 2011, »Festival des internationalen freien Theaters - Vol 1: Deutschland Yokohama
April 2011, Verleihung des Friedrich-Luft-Preis »Hebbel am Ufer / HAU 2 Berlin
April 2011, »Schwankhalle Bremen
Mai 2011,  »Theatertreffen Berlin
Mai 2011, »Festival a/d Werf Utrecht
Juni 2011, »Hebbel am Ufer / HAU 2 Berlin
Juni 2011, »Kaserne Basel
Juni/Juli 2011, »Festival Impulse
August 2011, »Zürcher Theater Spektakel
August 2011, »STAGE Festival Helsinki
September 2011, »NO99 Straw Theatre Tallinn
Oktober 2011, »Ulster Bank Dublin Theatre Festival
Oktober 2011, »Festival Politik im Freien Theater Dresden
November 2011, »Festival euro-scene Leipzig
November 2011, »Prager Theaterfestival deutscher Sprache Prag
Dezember 2011, »Festival SpielArt München
Dezember 2011, »Theaterhaus Stuttgart
Dezember 2011, »TAK Theater Liechtenstein

Credits

Konzept: She She Pop. Mit Sebastian und Joachim Bark, Fanni und Peter Halmburger, Mieke und Manfred Matzke, Lisa Lucassen, Ilia und Theo Papatheodorou.

Bühne: SSP und Sandra Fox, Kostüme: Lea Søvsø, Musik: Christopher Uhe. Dokumentation: Bianca Schemel. Lichtdesign: Sven Nichterlein. Ton: Florian Fischer. Assistenz und dramaturgische Mitarbeit: Kaja Jakstat. Hospitanz: Laura Lo Zito. Grafik: Tobias Trost. Produktion/PR: ehrliche arbeit. Administration: Elke Weber

Eine Koproduktion von She She Pop mit dem Hebbel am Ufer Berlin, Kampnagel Hamburg und dem FFT Düsseldorf. Gefördert durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten, die Behörde für Kultur, Sport und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg und die Konzeptionsförderung des Fonds Darstellende Künste e.V. – aus Mitteln des Bundes.

Preise

Eingeladen zum Theatertreffen 2011.
Ausgewählt für das nachtkritik Theatertreffen 2011.
Ausgezeichnet mit dem Friedrich-Luft-Preis 2011
Ausgezeichnet mit der Wild Card beim Theaterfestival Favoriten 2010.
Ausgezeichnet mit "Bestes Gastspiel 2010“ von der Zeitung "Göteborgs-Posten" (Schweden)
Ausgezeichnet mit dem Preis des Goethe-Instituts beim Impulse Festival 2011

Hörspieladaption

Hörspieladaption der gleichnamigen Performance
von und mit She She Pop & ihren Vätern

Regie: She She Pop. Produktion: DKultur 2011. Länge: ca. 54'30

Ursendung am 19. September 2011 um 00:05 Uhr
http://www.dradio.de/dkultur/programmtipp/freispiel/1524635

Weiterer Sendetermin: 21. Dezember 2011 um 20.00h auf Schweizer Radio DRS 2

Trailer

Pressestimmen

"Besonders bemerkenswert an Testament ist der Mut sich den universellen Themen zu stellen, wie eben Tod, Krankheit, Einsamkeit, Vergänglichkeit und immer wieder steht auch die große alte Dame Zeit auf der Bühne. Mal mehr mal weniger im Vordergrund und doch schon dadurch immer präsent, daß die Akteure so deutlich sichtbar immer Kinder ihrer Zeit sind und bleiben werden"
Laudatio von Claudia Wiedemer zum Friedrich-Luft-Preis

"So geist- und gefühlsvoll, so anrührend und anspielungsreich erscheinen die grossen Daseinsfragen selten auf der Bühne. «Testament» ist weder Anti- noch Anklagetheater, es ist ein Spiel über die allgegenwärtige, vielfach beschworene Unübersichtlichkeit, also auch über die daraus entstehenden Unsicherheiten. Unbedingt bemerkenswert."
Dirk Pilz, NZZ Online. 1. Juni 2011

www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/es_stimmt_etwas_nicht_in_diesen_zeiten_1.10682002.html

"I WILL ALWAYS LOVE YOU
Das Performancekollektiv SHE SHE POP verwandelt seit zwölf Jahren Fragen, die sie auch privat bewegen, in Theater. Mit ihrer jüngsten Produktion „Testament“ ist ihnen das besonders geglückt."
Eva Behrendt, Theater heute, 06/ 2010

"...Als man die erste "Lear"-Szene gelesen hat, schleicht sich das schöne Delirium auf die Bühne, mit dem She She Pop so virtuos arbeiten können. ...Der She-She-Pop-Schwindel handelt weniger von der Lüge als vom Schwanken. Vom Schwanken zwischen Prozess und Produkt, Diskussion und Text, Nähe und Distanz. ... Im Reden über den Stoff streift der Abend immer wieder überraschend genau die Motive des alten Stückes. "Testament" variiert dieses Unverständnis auf hundert Arten."
Tobi Müller, Frankfurter Rundschau, 27. Februar 2010
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/2360123_She-She-Pops-pfiffiges-Berliner-Testament-Echter-Schwindel.html

"couragiert, freimütig und intelligent ... ein großer Wurf"
Klaus Witzeling, Hamburger Abendblatt, 9. März 2010
http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1412276/Auge-in-Auge-mit-den-Vaetern.html

"Innovationsschübe für ein vitales modernes Theater – darauf lautet das Versprechen der Freien Szene. Eindrucksvoll wird dieses Versprechen von She She Pop und ihren Vätern eingelöst. Ihr Generationendialog „Testament“ baute ebenso berührend wie analytisch klug und witzig eine Brücke zwischen Theatertraditionen. ... eine große Analyse unseres Zeitalters, der Epoche des „ökonomischen Menschen“."
Die Jury des Theaterfestivals „Favoriten 2010“ gratuliert dem Performancekollektiv She She Pop und ihren Vätern zum Preis der „Wild Card“ von Ruhr2010
http://www.favoriten2010.de/index.php?article_id=273&clang=0

"Testament ist aber gerade auch deshalb so beeindruckend geworden, weil es auch die Probleme der Probenarbeit, den Zweifel und auch das Verfehlen von Verständnis mittransportiert. ..  Eigentlich, denkt man als Zuschauer oft, sind sich Väter und Töchter viel näher, als sie selbst glauben. Aber weil gerade deshalb ihre Konflikte nicht klischeehaft verhandelt werden, sondern detailliert und sehr konkret, berührt die Ehrlichkeit der Positionen.... ... Am Ende fassen die drei Bilderrahmen ein fast barockes Vanitas-Motiv aus Tulpen und Äpfeln, unter dem sich Töchter, Väter und ein Sohn schichtweise übereinanderlegen: eine Bestätigung ihrer Verbundenheit über alle diskursiven Fragen hinaus; auch ein Vorgriff auf die Sterblichkeit, die sie alle miteinander teilen. Das ist She She Pop und das ist Shakespeare at its best."
Katrin Bettina Müller, taz Berlin, 29.04.2011
www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2011%2F04%2F30%2Fa0032&cHash=1ddeb64914

Dieses Stück ist gefeiert worden, und es gibt allen Grund dazu. So viel lässt sich nach der Premiere von «Testament» von She She Pop und ihre Väter feststellen. Auch in Zürich versetzte es das Publikum in helle Aufregung und verschaffte dem Theaterspektakel ein erstes Highlight. ... Dass dieses Unternehmen ständiger Kippeffekte und Metaebenen so beeindruckend wirkt, ist den Vätern somit gleichermassen wie den theatererprobten «Kindern» (Sebastian Bark, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou sowie Lisa Lucassen) zu verdanken, denen allen man es abnimmt, sich selbst zu sein, aber gleichzeitig auch zu spielen. Das Resultat ist keine Nabelschau der Beteiligten, sondern eine unaufgeregte Dialektik, die wirklich berührt; wie Shakespeares «King Lear» Überindividuelles ansprechend – in einer Gesellschaft, in der wir alle immer älter werden.
Claudio Steiger, NZZ, 20.08.2011
http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/buehne/king_lear_und_wir_alle_1.11980291.html

Bilder