Alles über She She Pop

Die Geschichte von She She Pop ist eine Geschichte der Publikumsbefragung und Publikumsinteraktion. Unser Publikum begegnet uns im hellerleuchteten Stuhlkreis einer Encounter-Group, im Ballsaal, am Lagerfeuer oder bei einem Blind Date bei Kerzenschein: In diesen Räumen wird nicht nur der Zwang zur (Selbst-)Darstellung thematisiert. Der Zuschauer ist als teilnehmender Beobachter in diese Szenarien integriert. Publikum wie auch PerformerInnen bewältigen diese Szenarien wie Teststrecken oder Probeläufe, in denen Spielregeln gelten. Im Mittelpunkt stehen private und soziale Rituale: jemandem verzeihen, ein Geständnis machen, gemeinsam tanzen, flirten, miteinander konkurrieren, sich erinnern, sich die Zukunft vorstellen.

Der Theaterraum wird dabei zu einem utopischen Raum, in dem akute Entscheidungen getroffen, Anträge und Geständnisse gemacht, Gesprächstechniken und Gesellschaftssysteme ausprobiert, große Gesten und fremde Verhaltensweisen einstudiert und wieder verworfen werden können.

Die ZuschauerInnen haben den PerformerInnen bereits unter den Rock geschaut. Sie haben die Hand über sie erhoben, haben Schicksal gespielt und über ihre Qualitäten offen abgestimmt. Sie haben sich „intime Momente“ erkauft und sich dafür einzeln mit ihnen in ein winziges Separée gezwängt. Sie haben die Kostüme von She She Pop getragen. Sie haben mit den PerformerInnen getanzt, haben sie angefasst, ausgezogen und geküsst. Sie sind mit stumpfen Gegenständen auf sie losgegangen. Sie haben erzählt, diskutiert und gestritten. Sie haben eine ausgewählt und andere zurückgesetzt. Sie haben ihnen Geld zugesteckt. Sie haben ihnen das Thema diktiert. Sie haben immer eine Rolle gespielt.

Die Performances von She She Pop zeichnen sich durch eine für den Zufall offene Dramaturgie aus. Die PerformerInnen verschmelzen nicht mit einer Rolle, sie konstatieren eher mutig ein Beispiel für Identität als etwas zufällig Entstandenes und Entstehendes an sich selbst, einer Identität auf die man sich als Strategie beziehen kann. She She Pop inszenieren sich und ihr Publikum im wechselseitigen Prozess zwischen Freiraum und Begrenzung im Spiel, zwischen Improvisation und Anpassung, zwischen Selbst-Entwurf und fremder Zuschreibung.

She She Pop sind ein Performance-Kollektiv mit sieben Mitgliedern in Berlin und Hamburg, das 1998 aus dem Studiengang der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen hervorgegangen ist. Ständige Mitglieder sind Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou und Berit Stumpf.